1.
Einleitung
Der angekündigte Titel des Referates klingt
interessant, tönt er doch so, als würde da (endlich einmal) etwas Handfestes herauskommen.
Zum Beispiel Lösungsvorschläge und praktische Wege. Und doch muss ich sie zu
Beginn leicht enttäuschen. So steil kann ich nicht einsteigen. Ich kann nicht
einfach so Lösungswege skizzieren, ohne Ihnen nicht einige theoretische
Überlegungen mitzuteilen. Wenn wir heute
- und später in den Kirchenpflegen - neue Ideen diskutieren werden, dann
scheint es mir ehrlicher zu sein, wenn ich Ihnen auch sage, woher diese Ideen
kommen. Aus welchem Nährboden sie aufsteigen. Welche Beobachtungen uns zu diesen
Ideen drängen. Warum wir, d.h. warum viele engagierte Christen unter uns, in
letzter Zeit so häufig darauf zu sprechen kommen.
Mit anderen Worten: Bevor wir zu Ideen für die
kirchliche Praxis kommen, möchte ich Ihnen ein wenig Theorie zumuten. Ich möchte über unser Kirchenbild
nachdenken. Warum diese Theorie? Ganz einfach: wir alle, die wir heute über die
Zukunft der Säuliämtler Kirchgemeinden nachdenken; - wir alle haben eine Art
Kirchenbild. Wenn wir von Kirche sprechen oder wie wir in der Kirche handeln,
ist abhängig vom Bild, das ein jeder unter uns von der Kirche oder der
Kirchgemeinde hat. Das entspricht einem ernstzunehmenden Grundsatz: Jeder Praxis liegt so oder so eine
Theorie zugrunde. Eine Theorie wiederum bildet sich durch das genaue Hinschauen
in die praktische Erfahrung. Man muss also sagen: Theorie und Praxis bedingen
sich gegenseitig. Es braucht immer beides. Das gilt, um Beispiele zu nennen,
für den Fussball, für das Autofahren genauso für die Feuerwehr, ja sogar auch
für das Familienleben. Und es gilt in besonderem Mass
für die Praxis des kirchlichen Lebens. Ich möchte
Sie darum einladen, mit mir nach einer möglichen Art von leitender Kirchentheorie zu fragen.
2. Kirche in heutiger Zeit – d.h.
zum Beispiel à Kirche unter
den Bedingungen von Pluralismus und Postmoderne
Ich möchte in einem zweiten Punkt über die
Situation sprechen, in der sich die Kirche heute befindet. Dabei berufe ich
mich auf die Fachliteratur, die es zu diesem Thema gibt. Was ich vortrage ist
also nicht allein meine persönliche Wahrnehmung, sondern eine Art
Kurzzusammenfassung dieser vertiefenden Literatur. Die Situation der Kirche hat
sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Genauso hat sich die Gesellschaft gewandelt. Oder besser gesagt, sie
befindet sich in einem raschen Wandel. Beispielsweise sprach man vor kurzem
noch von der Industriegesellschaft. In Kürze werden wir vermehrt von der Wissensgesellschaft sprechen. Ja, wir leben sozusagen in
diesem Übergang: von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Diese
Veränderungen nehmen wir alle wahr und wenn wir sie ausdrücken sagen wir z.B.:
Die Gesellschaft ist komplexer geworden, offener, pluralistischer und in den
Städten auch zunehmend multikulturell – in vielerlei Hinsicht auch
unübersichtlicher. Die Gesellschaftswissenschaften und die Religionssoziologen
haben uns wichtige Stichworte geliefert, die diese Veränderungen
charakterisieren. Sie heissen unter anderem:
Individualisierung Pluralismus
Globalisierung Urbanisierung
Säkularisierung Postmoderne
Erlebnisgesellschaft Konsumgesellschaft
Wertewandel Traditionsabbruch
Diese Stichworte stellen für mich die Signaturen der
Gegenwart dar. Sie sind auch eine
Herausforderung für unsere reformierte Landeskirche. Ich denke, es ist für die
kirchliche Praxis von grossem Nutzen, wenn wir diese Signaturen lesen und
interpretieren können. Das gilt vielleicht in besonderem Masse, wenn wir an die
reform 06 denken. Denn was mit der reform 06 auf uns zukommt ist nicht nur eine
neue Kirchenordnung, sondern es sind auch deutliche Anpassungen oder
Veränderungen in struktureller, finanzieller und organisatorischer Hinsicht.
Von diesen genannten Signaturen der Gegenwart
möchte ich jetzt zwei auswählen und etwas genauer beschreiben. Zuerst möchte
ich über das Phänomen Pluralismus
sprechen und dann zum zweiten einige Gedanken zum schillernden Begriff Postmoderne äussern.
a) Pluralismus
In der Kirche tun wir uns oft schwer mit diesem
Begriff. Vielleicht weil er unserem Wunsch nach Übersicht und Einheit entgegenläuft.
Früher war klar: In jedem Staat oder in jedem Kanton gibt es nur eine
offizielle Religion bzw. Konfession. Im Kanton Luzern z.B. gab es offiziell nur
die römisch-katholische Kirche und im Kanton Zürich gab es die reformierte
Landeskirche. Staat und Kirche bildeten zusammen ein Bündnis und dieses Bündnis
war lange Zeit sehr stark. Es war sozusagen ein Herrschaftsbündnis. Das war
nicht nur schlecht. Denn dieses Bündnis von Kirche und Staat war auch sehr
kulturfördernd. Nehmen wir zum Beispiel die allgemeine Schul-Bildung oder die
soziale Fürsorge die gerade in Zürich von Staat und Kirche mit gefördert
wurden. Aber diese Epoche ist jetzt vorbei. Wir leben schon seit längerem in
einem pluralistischen Land. Und das heisst zum Beispiel: Es gibt eine Vielfalt von Lebensformen, Handlungsformen,
Religionen und Weltanschauungen die alle im gleichen Land zur gleichen Zeit
anzutreffen sind. Es gibt heute nicht eine einzige und verbindliche Meinung
darüber, was wir unter Wahrheit, was wir unter Gerechtigkeit oder
Menschlichkeit verstehen. Sondern es gibt solche Konzepte nur noch im Plural.
Das betrifft ja auch unser Kirchenbild. Das ist ja wenn wir ehrlich sind in
unseren Kirchgemeinden auch nicht mehr einheitlich. Der Pluralismus ist ein
gesellschaftliches Phänomen das uns alle betrifft, sei es als einzelne oder als
Kirchengemeinschaft. Ich plädiere deshalb dafür, dass wir als Kirche den
Plualismus nicht ablehnen sondern uns konstruktiv darauf einlassen. Natürlich
geht das nur, wenn wir die alte einheitliche Epoche verabschieden, die uns
lange Zeit geprägt hat. Wenn wir stattdessen aufbrechen und Ja sagen zu einem religiösen
und weltanschaulichen Pluralismus. Wohin
führt uns ein solcher Aufbruch. Mit wenigen Worte sei dies gesagt. Wir werden
als reformierte Kirche den Raum teilen müssen mit anderen Religionen und
Weltanschaungen. Wir haben kein Monopol mehr in Sachen Religion. Und wir müssen
deshalb keinen Zwang mehr ausüben. Es muss niemand unbedingt zur reformierten
Kirche gehören. Wenn wir den Raum teilen, entsteht daraus auch ein Gewinn an
Freiheit. Es entsteht eine Freiheitsraum für die biblische Botschaft. Man muss nicht in der Kirche sein, man
darf in der Kirche sein – und das aus guten Gründen. Ich werde auf diesen
Gedanken noch zurückkommen.
b) Postmoderne
In letzter Zeit wird viel über Postmoderne geredet
und geschrieben. Dabei gibt es wie immer wenn neue Begriffe auftauchen, grobe
Vereinfachungen oder klischeehafte Verzerrungen. Braucht es diesen
Theorie-Begriff überhaupt? Warum nicht modern, warum sind wir jetzt plötzlich
postmodern? Ich möchte diese Anfragen jetzt nicht weiter diskutieren. Was ich
Ihnen dagegen vorstellen möchte sind drei wesentliche Grundzüge mit denen sich
die Postmoderne charakterisieren lässt. Ich denke, dass diese drei Grundzüge
der Postmoderne besonders gut geeignet sind, unser Nachdenken über die Kirche
zu befördern. Und mögliche Konzepte voranzutreiben. Kommen wir zu diesen drei
Grundzügen.
1.
Individualisierung der Lebenswelten
Individualisierung der Lebenswelten ist ein Prozess,
der schon lange dauert. Er besagt folgendes: Das einzelne Individuum muss heute
immer mehr Aufgaben selber übernehmen. Das wiederum verlangt vom einzelnen mehr
Eigenverantwortung. Früher war in der Gesellschaft viel mehr geregelt als heute
und es gab auch viel weniger Möglichkeiten, die ein Mensch wählen konnte.
Deutlich wird dies zum Beispiel bei der Berufswahl. Oder auch bei den Formen
des Zusammenlebens. War früher nur die Ehe gesellschaftlich legitimiert, so
kann man heute unverheiratet zusammenwohnen. Man kann eine Beziehung auf Zeit
eingehen, sich scheiden lassen und ein zweites Mal heiraten. Menschen die
homosexuell empfinden müssen ihre sexuelle Orientierung nicht mehr verdrängen oder verstecken. Das sind Beispiele
die zeigen, dass die persönliche Lebenswelt individueller geworden ist. Man
kann darum diese Individualisierung nicht verteufeln. Individualismus ist nicht
gleichzusetzen mit einem rücksichtslosen Egoismus. Noch schärfer formuliert:
Wir kommen gar nicht darum herum individuell zu wählen. Wenn heute ein
gesellschaftlicher Zwang besteht, dann der, dass wir alle wählen müssen.
2. Verdacht
gegen die grossen Erzählungen
Die Postmoderne ist kritisch gegenüber allen
Theorien, die vorgeben, sie könnten die Welt umfassend und total erklären. Gerade
im letzten Jahrhundert haben solche Grosserzählungen in Europa grossen Schaden
angerichtet. Ich denke da an den Nationalsozialismus und an den Kommunismus. Je
totaler diese Systeme wurden, desto unmenschlicher und brutaler richteten sie
sich gegen ihre Kritiker und gegen Minderheiten. Ausschwitz und der Archipel
Gulag hiessen die Orte die zeigten wozu ein solches System fähig ist.
Aber auch die Aufklärung mit ihrem
Fortschrittsoptimismus ist eine solche Grosserzählung die bereits zahlreiche
negative Spuren hinterlässt, denken wir z.B. an die rücksichtslose Ausbeutung
unserer Ressourcen oder an die drohende Klimaerwärmung.
Die Frage, die uns aber hier auch beschäftigt ist
folgende: Inwiefern hat auch das Christentum Züge einer Grosserzählung, die es
kritisch zu hinterfragen gilt? Denn es ist so, dass heute viele Menschen sagen,
sie hätten Mühe mit der Kirche, mit der Bibel, mit dem
Christentum. Das deutet darauf hin, dass sie Kirche immer noch als umfassende
und totalisierende Institution wahrnehmen. Sicher wird diese kritische Anfrage
vielmehr an die Adresse der römisch-katholischen Kirche zu richten sein als an
unsere Protestantische Kirche. Eine der Stärken der reformierten Kirche ist ja
gerade ihre Hinwendung zum einzelnen Menschen. Ein deutliches Ja zum
individuellen Personsein und zur persönlich verantworteten Freiheit.
3. Die Erfindung
des eigenen Lebens
Wenn es weniger vorgegebene Verhaltensmuster gibt
und keine Grosserzählungen mehr, dann heisst das: der einzelne Mensch ist auf
sich selbst zurückgeworfen. Er muss sozusagen Tag für Tag sein Leben erfinden.
Er muss das Drehbuch seiner persönlichen Geschichte selber schreiben. Das Leben
ist zum Projekt geworden, sagt der Soziologe Peter L. Berger. Er beschreibt
diesen Prozess mit folgenden Worten:
„Die Moderne
bedeutet für das Leben des Menschen einen riesigen Schritt weg vom Schicksal
hin zur freien Entscheidung. Nun kann man sagen, dass es sich bei den zu
treffenden Entscheidungen in vielen Fällen um triviale Entscheidungen handelt
und dass der Zuwachs an Freiheit seinen Preis hat. Aufs Ganze gesehen gilt
jedoch, dass das Individuum
unter den Bedingungen des modernen Pluralismus nicht nur auswählen kann,
sondern dass es auswählen muss. Da es
immer weniger Selbstverständlichkeiten gibt, kann der Einzelne nicht mehr auf
fest etablierte Verhaltensmuster zurückgreifen, sondern muss sich nolens volens
für die eine und damit gegen eine andere Möglichkeit entscheiden.
Sein Leben wird
ebenso zu einem Projekt – genauer zu einer Serie von Projekten –
wie seine Weltanschauung und seine Identität.“
Man kann also sagen: früher gab es
Normalbiographien: Heute gibt es nur noch Wahlbiographien. Das Wählen müssen
hat aber auch seine Schattenseite. Es kann zur Überforderung führen. Wenn der
einzelne Mensch zum Autor seiner Lebensgeschichte wird, ist es umso wichtiger,
dass er seine Lebensgeschichte versteht. Dass er ihr einen Sinn geben kann. Und
er braucht andere, die seine Geschichte ebenfalls verstehen. Mit einem Wort er
braucht auch so etwas wie Beheimatung. Oder mit einem andern Wort: Religion.
Ich sagte vorhin, dass diese drei vorgestellten
Grundzüge der Postmoderne uns weiterbringen können für unsere Frage nach einem
zeitgemässen Kirchenbild. Im nächsten Gedankengang möchte ich diesen Punkt
vertiefen. Wir fragen also: welche Aufgaben stellen sich der Kirche, wenn wir
die Signaturen der Gegenwart ernstnehmen. Wie müsste eine zeitgemässe Kirche
aussehen?
3. Kriterien
einer zeitgemässen Kirche
Die vorher gemachten Beobachtungen haben schon
darauf aufmerksam gemacht. In einer pluralistischen Gesellschaft gibt es kein
Monopol mehr für die Kirche was die Religion oder die Sinnfrage angeht. Was wir
heute antreffen ist ein Markt der Religionen und Weltanschauungen. Die
Menschen, die ja für ihre Biographie selber verantwortlich sind, bedienen sich
auf diesem Markt. Dabei kommt es auch zu Vermischungen von religiösen Elementen
und einem Durcheinander von religiösen Praktiken. Was man sagen kann ist
folgendes. Nicht alles was auf diesem Markt der Religionen angeboten wird ist
lebensdienlich. Es gibt Techniken und Lehren, die würde ich als lebensfeindlich
und entmündigend bezeichnen.
Was heisst das nun für die Kirche. Aufgabe der
Kirche müsste es sein, das lebensfeindliche dieser Ansätze zu benennen und zu
kritisieren. Kirche müsste dafür das Lebensdienliche der Religion stark machen. Kirche muss ihre guten Dienste anbieten wenn es darum geht, zwischen
Scharlatanerie und Ernsthaftigkeit zu unterscheiden. Dazu wird es nötig sein,
das eigene Profil zu schärfen und es
zu kommunizieren. Vor allem müsste die Kirche erkennbar werden nicht als Institution die einer verlorenen Grosserzählung
nachrennt und immer noch Einheitsphantasien hegt. Sondern sie müsste zeigen,
dass sie die heutigen postmodernen Lebensumstände versteht und sich darauf
einlässt. Theologisch gesprochen: weniger „Moralpredigt“, dafür mehr Lebensbegleitung. Kirche soll den Menschen Lebenshilfen zur Verfügung stellen mit denen sie ihr
Leben verstehen und deuten können. Solche Lebenshilfen sind Bilder, Symbole
und Geschichten, die in überzeugender
Fülle im biblischen Schatz vorhanden
sind. Dazu müsste sie auch die Sozialformen des Glaubens überprüfen. Überprüfen und fragen ob sie
das leisten, was sie leisten sollten. Zum Beispiel wenn wir die Sozialform des
Gottesdienstes bedenken. Der Wiener Religionssoziologe Paul Zulehner schlägt
als Schlüsselbereiche für die kirchliche Praxis die beiden Kompetenzen Spiritualität und Solidarität vor. Um glaubwürdig und den Menschen nahe zu sein, müsste auch die
reformierte Landeskirche vermehrt und in vielfältiger Form an diesen beiden
Themen arbeiten. Zusammenfassend lässt sich sagen: wir brauchen neue Erfahrungsräume des christlichen Lebens. Was immer das heissen mag. Aber das ist ja gerade ein Grund worum wir
hier zusammengekommen sind, um nämlich über diese Fragen nachzudenken.
An diesem Punkt müsste jetzt auch deutlich werden,
dass die einzelne Ortsgemeinde allein nicht in der Lage ist, Antworten zu
finden. Das Modell der Ortsgemeinde kommt hier rasch an seine Grenzen. Es fehlt
an ideellen, personellen und finanziellen Ressourcen. Es ist ehrlicher dies
zuzugeben als krampfhaft an einem alten Bild festzuhalten. Die Ortsgemeinde hat
nicht ausgedient. Aber es braucht ein Modell das gewachsene Tradition mit den
heutigen Anforderungen verbindet. Und dieses Modell heisst: vermehrte Zusammenarbeit
zwischen den Gemeinden. Man könnte es
auch regionale Zusammenarbeit nennen oder wie im Titel vorgeschlagen
übergemeindliche Zusammenarbeit. So komme ich nun zum abschliessenden vierten
Punkt:
In einer knappen Skizze möchte ich eine Richtung
vorschlagen.
a) Bisher war die Kirche vor allem stark in ihrem Angebot
in der Ortsgemeinde. Kirche am Ort, das ist ein gutes Modell. Ich nenne es auch
die Komm-Struktur der Kirche. Komm-Struktur heisst: die Kirche bietet Anlässe
an in ihren Räumen und hofft auf eine rege Beteiligung. Komm-Struktur heisst
vor allem auch Gottesdienst an jedem Sonntag. Kirchlicher Unterricht zu dem die
Kinder und Jugendlichen kommen müssen. Die Komm-Struktur ist wichtig für die
Ortsgemeinde. Sie sichert die religiöse Grundversorgung der Kirchenmitglieder
am Ort.
b) Nun ist aber unter den Bedingungen von
Pluralismus und Postmoderne noch eine zweite Struktur ins Spiel zu bringen. In
der Fachliteratur kennt man dafür schon lange den Begriff der Geh-Struktur der Kirche. Die Geh-Struktur ist in
unserem Bezirk noch relativ schwach aufgebaut. Sie gilt es meines Erachtens zu
fördern. Und ich plädiere dafür, dass wir dies in übergemeindlicher
Zusammenarbeit tun. Ein Hinweis dafür, dass die Geh-Struktur zum Thema wird,
haben wir ja auch im neuen religionspädagogischen Gesamtkonzept. Dort ist nämlich
die Rede von Kirche am Ort im Unterschied zur Kirche am Weg. Diese eher
vernachlässigte Dimension von der Kirche am Weg oder eben die Geh-Struktur gilt
es zu entwickeln. Wie aber lässt sich eine solche Geh-Struktur kirchlicher
Arbeit entwickeln. Meines Erachtens nur dadurch, dass wir Modelle entwerfen und
sie ausprobieren. Mich dünkt, dass wir gerade in der Zwischenzeit bis die neue
Kirchenordnung greift gut daran tun würden einige solche Versuche zu starten.
c) Praktisch könnte man folgendermassen vorgehen.
1. Wir erheben die Ortsaktivitäten der einzelnen
Gemeinden.
2. Wir überlegen, wie wir den Aufwand für diese
Veranstaltungen herabsetzen können durch regionale Strukturen und
Ressourcenteilung. Stichwort: Synergien nutzen und originelle Vorschläge
zulassen.
3. Die frei werdenen Ressourcen bringen wir ein für
den Aufbau von Geh-Strukturen der kirchlichen Praxis. Anfangen könnten wir in
folgenden Bereichen. Es sind übrigens Bereiche, die wir tendenziell eher
vernachlässigt haben.
a) Öffentlichkeitsarbeit: grössere Präsenz in den
Bereichen Medien und Politik/Wirtschaft. (wohl überlegte und sorgfältig
vorbereitete Auftritte oder mit einem Trendwort gesprochen: Inszenierungen:
zeigen für welche Tradition die Kirche einsteht und wie daraus Freiräume
entstehen.
b) Neue Treffpunkte und Orte der Begegnung (vgl.
Bahnhofkirche im HB als Modell, vgl. rf4: so etwas wie eine Jugendkultur)
Diese Skizze sollte andeuten, in welche Richtung
wir in unserer Region weiterdenken sollten und sie sollte dafür werben, diese
Aufgabe zusammen mit anderen Gemeinden (übergemeindlich, regional) anzugehen.
Meine Vision ist nicht der Rückzug in einen Kreis
der letzten Aufrechten, sondern eine öffentliche und offene Kirche innerhalb
der pluralistischen Gesellschaft.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Jürg-Markus Meier,
22. Januar 2003
(Es gilt das gesprochene Wort)