Jürg-Markus Meier

Ideen zur Konkretisierung übergemeindlicher Zusammenarbeit

 

1.    Einleitung

 

Der angekündigte Titel des Referates klingt interessant, tönt er doch so, als würde da (endlich einmal) etwas Handfestes herauskommen. Zum Beispiel Lösungsvorschläge und praktische Wege. Und doch muss ich sie zu Beginn leicht enttäuschen. So steil kann ich nicht einsteigen. Ich kann nicht einfach so Lösungswege skizzieren, ohne Ihnen nicht einige theoretische Überlegungen mitzuteilen. Wenn wir heute - und später in den Kirchenpflegen - neue Ideen diskutieren werden, dann scheint es mir ehrlicher zu sein, wenn ich Ihnen auch sage, woher diese Ideen kommen. Aus welchem Nährboden sie aufsteigen. Welche Beobachtungen uns zu diesen Ideen drängen. Warum wir, d.h. warum viele engagierte Christen unter uns, in letzter Zeit so häufig darauf zu sprechen kommen.

 

Mit anderen Worten: Bevor wir zu Ideen für die kirchliche Praxis kommen, möchte ich Ihnen ein wenig Theorie zumuten. Ich möchte über unser Kirchenbild nachdenken. Warum diese Theorie? Ganz einfach: wir alle, die wir heute über die Zukunft der Säuliämtler Kirchgemeinden nachdenken; - wir alle haben eine Art Kirchenbild. Wenn wir von Kirche sprechen oder wie wir in der Kirche handeln, ist abhängig vom Bild, das ein jeder unter uns von der Kirche oder der Kirchgemeinde hat. Das entspricht einem ernstzunehmenden Grundsatz: Jeder Praxis liegt so oder so eine Theorie zugrunde. Eine Theorie wiederum bildet sich durch das genaue Hinschauen in die praktische Erfahrung. Man muss also sagen: Theorie und Praxis bedingen sich gegenseitig. Es braucht immer beides. Das gilt, um Beispiele zu nennen, für den Fussball, für das Autofahren genauso für die Feuerwehr, ja sogar auch für das Familienleben. Und es gilt in besonderem Mass

für die Praxis des kirchlichen Lebens. Ich möchte Sie darum einladen, mit mir nach einer möglichen Art von leitender Kirchentheorie zu fragen.

 

 

2. Kirche in heutiger Zeit –                               d.h. zum Beispiel à Kirche unter den Bedingungen von Pluralismus und Postmoderne

 

Ich möchte in einem zweiten Punkt über die Situation sprechen, in der sich die Kirche heute befindet. Dabei berufe ich mich auf die Fachliteratur, die es zu diesem Thema gibt. Was ich vortrage ist also nicht allein meine persönliche Wahrnehmung, sondern eine Art Kurzzusammenfassung dieser vertiefenden Literatur. Die Situation der Kirche hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Genauso hat sich die Gesellschaft gewandelt. Oder besser gesagt, sie befindet sich in einem raschen Wandel. Beispielsweise sprach man vor kurzem noch von der Industriegesellschaft. In Kürze werden wir vermehrt von der Wissensgesellschaft sprechen. Ja, wir leben sozusagen in diesem Übergang: von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Diese Veränderungen nehmen wir alle wahr und wenn wir sie ausdrücken sagen wir z.B.: Die Gesellschaft ist komplexer geworden, offener, pluralistischer und in den Städten auch zunehmend multikulturell – in vielerlei Hinsicht auch unübersichtlicher. Die Gesellschaftswissenschaften und die Religionssoziologen haben uns wichtige Stichworte geliefert, die diese Veränderungen charakterisieren. Sie heissen unter anderem:

 

Individualisierung                   Pluralismus

Globalisierung                        Urbanisierung

Säkularisierung                                  Postmoderne

Erlebnisgesellschaft                 Konsumgesellschaft

Wertewandel                           Traditionsabbruch

 

Diese Stichworte stellen für mich die Signaturen der Gegenwart dar. Sie sind auch eine Herausforderung für unsere reformierte Landeskirche. Ich denke, es ist für die kirchliche Praxis von grossem Nutzen, wenn wir diese Signaturen lesen und interpretieren können. Das gilt vielleicht in besonderem Masse, wenn wir an die reform 06 denken. Denn was mit der reform 06 auf uns zukommt ist nicht nur eine neue Kirchenordnung, sondern es sind auch deutliche Anpassungen oder Veränderungen in struktureller, finanzieller und organisatorischer Hinsicht.

Von diesen genannten Signaturen der Gegenwart möchte ich jetzt zwei auswählen und etwas genauer beschreiben. Zuerst möchte ich über das Phänomen Pluralismus sprechen und dann zum zweiten einige Gedanken zum schillernden Begriff Postmoderne äussern.

 

a) Pluralismus

In der Kirche tun wir uns oft schwer mit diesem Begriff. Vielleicht weil er unserem Wunsch nach Übersicht und Einheit entgegenläuft. Früher war klar: In jedem Staat oder in jedem Kanton gibt es nur eine offizielle Religion bzw. Konfession. Im Kanton Luzern z.B. gab es offiziell nur die römisch-katholische Kirche und im Kanton Zürich gab es die reformierte Landeskirche. Staat und Kirche bildeten zusammen ein Bündnis und dieses Bündnis war lange Zeit sehr stark. Es war sozusagen ein Herrschaftsbündnis. Das war nicht nur schlecht. Denn dieses Bündnis von Kirche und Staat war auch sehr kulturfördernd. Nehmen wir zum Beispiel die allgemeine Schul-Bildung oder die soziale Fürsorge die gerade in Zürich von Staat und Kirche mit gefördert wurden. Aber diese Epoche ist jetzt vorbei. Wir leben schon seit längerem in einem pluralistischen Land. Und das heisst zum Beispiel: Es gibt eine Vielfalt von Lebensformen, Handlungsformen, Religionen und Weltanschauungen die alle im gleichen Land zur gleichen Zeit anzutreffen sind. Es gibt heute nicht eine einzige und verbindliche Meinung darüber, was wir unter Wahrheit, was wir unter Gerechtigkeit oder Menschlichkeit verstehen. Sondern es gibt solche Konzepte nur noch im Plural. Das betrifft ja auch unser Kirchenbild. Das ist ja wenn wir ehrlich sind in unseren Kirchgemeinden auch nicht mehr einheitlich. Der Pluralismus ist ein gesellschaftliches Phänomen das uns alle betrifft, sei es als einzelne oder als Kirchengemeinschaft. Ich plädiere deshalb dafür, dass wir als Kirche den Plualismus nicht ablehnen sondern uns konstruktiv darauf einlassen. Natürlich geht das nur, wenn wir die alte einheitliche Epoche verabschieden, die uns lange Zeit geprägt hat. Wenn wir stattdessen aufbrechen und Ja sagen zu einem religiösen und weltanschaulichen Pluralismus. Wohin führt uns ein solcher Aufbruch. Mit wenigen Worte sei dies gesagt. Wir werden als reformierte Kirche den Raum teilen müssen mit anderen Religionen und Weltanschaungen. Wir haben kein Monopol mehr in Sachen Religion. Und wir müssen deshalb keinen Zwang mehr ausüben. Es muss niemand unbedingt zur reformierten Kirche gehören. Wenn wir den Raum teilen, entsteht daraus auch ein Gewinn an Freiheit. Es entsteht eine Freiheitsraum für die biblische Botschaft. Man muss nicht in der Kirche sein, man darf in der Kirche sein – und das aus guten Gründen. Ich werde auf diesen Gedanken noch zurückkommen.

 

b) Postmoderne

In letzter Zeit wird viel über Postmoderne geredet und geschrieben. Dabei gibt es wie immer wenn neue Begriffe auftauchen, grobe Vereinfachungen oder klischeehafte Verzerrungen. Braucht es diesen Theorie-Begriff überhaupt? Warum nicht modern, warum sind wir jetzt plötzlich postmodern? Ich möchte diese Anfragen jetzt nicht weiter diskutieren. Was ich Ihnen dagegen vorstellen möchte sind drei wesentliche Grundzüge mit denen sich die Postmoderne charakterisieren lässt. Ich denke, dass diese drei Grundzüge der Postmoderne besonders gut geeignet sind, unser Nachdenken über die Kirche zu befördern. Und mögliche Konzepte voranzutreiben. Kommen wir zu diesen drei Grundzügen.

 

1.      Individualisierung der Lebenswelten

Individualisierung der Lebenswelten ist ein Prozess, der schon lange dauert. Er besagt folgendes: Das einzelne Individuum muss heute immer mehr Aufgaben selber übernehmen. Das wiederum verlangt vom einzelnen mehr Eigenverantwortung. Früher war in der Gesellschaft viel mehr geregelt als heute und es gab auch viel weniger Möglichkeiten, die ein Mensch wählen konnte. Deutlich wird dies zum Beispiel bei der Berufswahl. Oder auch bei den Formen des Zusammenlebens. War früher nur die Ehe gesellschaftlich legitimiert, so kann man heute unverheiratet zusammenwohnen. Man kann eine Beziehung auf Zeit eingehen, sich scheiden lassen und ein zweites Mal heiraten. Menschen die homosexuell empfinden müssen ihre sexuelle Orientierung nicht  mehr verdrängen oder verstecken. Das sind Beispiele die zeigen, dass die persönliche Lebenswelt individueller geworden ist. Man kann darum diese Individualisierung nicht verteufeln. Individualismus ist nicht gleichzusetzen mit einem rücksichtslosen Egoismus. Noch schärfer formuliert: Wir kommen gar nicht darum herum individuell zu wählen. Wenn heute ein gesellschaftlicher Zwang besteht, dann der, dass wir alle wählen müssen.

2. Verdacht gegen die grossen Erzählungen

Die Postmoderne ist kritisch gegenüber allen Theorien, die vorgeben, sie könnten die Welt umfassend und total erklären. Gerade im letzten Jahrhundert haben solche Grosserzählungen in Europa grossen Schaden angerichtet. Ich denke da an den Nationalsozialismus und an den Kommunismus. Je totaler diese Systeme wurden, desto unmenschlicher und brutaler richteten sie sich gegen ihre Kritiker und gegen Minderheiten. Ausschwitz und der Archipel Gulag hiessen die Orte die zeigten wozu ein solches System fähig ist.

Aber auch die Aufklärung mit ihrem Fortschrittsoptimismus ist eine solche Grosserzählung die bereits zahlreiche negative Spuren hinterlässt, denken wir z.B. an die rücksichtslose Ausbeutung unserer Ressourcen oder an die drohende Klimaerwärmung.

Die Frage, die uns aber hier auch beschäftigt ist folgende: Inwiefern hat auch das Christentum Züge einer Grosserzählung, die es kritisch zu hinterfragen gilt? Denn es ist so, dass heute viele Menschen sagen, sie hätten Mühe mit der Kirche, mit der Bibel, mit dem Christentum. Das deutet darauf hin, dass sie Kirche immer noch als umfassende und totalisierende Institution wahrnehmen. Sicher wird diese kritische Anfrage vielmehr an die Adresse der römisch-katholischen Kirche zu richten sein als an unsere Protestantische Kirche. Eine der Stärken der reformierten Kirche ist ja gerade ihre Hinwendung zum einzelnen Menschen. Ein deutliches Ja zum individuellen Personsein und zur persönlich verantworteten Freiheit.

 

3. Die Erfindung des eigenen Lebens

Wenn es weniger vorgegebene Verhaltensmuster gibt und keine Grosserzählungen mehr, dann heisst das: der einzelne Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen. Er muss sozusagen Tag für Tag sein Leben erfinden. Er muss das Drehbuch seiner persönlichen Geschichte selber schreiben. Das Leben ist zum Projekt geworden, sagt der Soziologe Peter L. Berger. Er beschreibt diesen Prozess mit folgenden Worten:

„Die Moderne bedeutet für das Leben des Menschen einen riesigen Schritt weg vom Schicksal hin zur freien Entscheidung. Nun kann man sagen, dass es sich bei den zu treffenden Entscheidungen in vielen Fällen um triviale Entscheidungen handelt und dass der Zuwachs an Freiheit seinen Preis hat. Aufs Ganze gesehen gilt jedoch, dass das Individuum unter den Bedingungen des modernen Pluralismus nicht nur auswählen kann, sondern dass es auswählen muss. Da es immer weniger Selbstverständlichkeiten gibt, kann der Einzelne nicht mehr auf fest etablierte Verhaltensmuster zurückgreifen, sondern muss sich nolens volens für die eine und damit gegen eine andere Möglichkeit entscheiden.

Sein Leben wird ebenso zu einem Projekt – genauer zu einer Serie von Projekten – wie seine Weltanschauung und seine Identität.“

 

Man kann also sagen: früher gab es Normalbiographien: Heute gibt es nur noch Wahlbiographien. Das Wählen müssen hat aber auch seine Schattenseite. Es kann zur Überforderung führen. Wenn der einzelne Mensch zum Autor seiner Lebensgeschichte wird, ist es umso wichtiger, dass er seine Lebensgeschichte versteht. Dass er ihr einen Sinn geben kann. Und er braucht andere, die seine Geschichte ebenfalls verstehen. Mit einem Wort er braucht auch so etwas wie Beheimatung. Oder mit einem andern Wort: Religion.

Ich sagte vorhin, dass diese drei vorgestellten Grundzüge der Postmoderne uns weiterbringen können für unsere Frage nach einem zeitgemässen Kirchenbild. Im nächsten Gedankengang möchte ich diesen Punkt vertiefen. Wir fragen also: welche Aufgaben stellen sich der Kirche, wenn wir die Signaturen der Gegenwart ernstnehmen. Wie müsste eine zeitgemässe Kirche aussehen?

 

3. Kriterien einer zeitgemässen Kirche

Die vorher gemachten Beobachtungen haben schon darauf aufmerksam gemacht. In einer pluralistischen Gesellschaft gibt es kein Monopol mehr für die Kirche was die Religion oder die Sinnfrage angeht. Was wir heute antreffen ist ein Markt der Religionen und Weltanschauungen. Die Menschen, die ja für ihre Biographie selber verantwortlich sind, bedienen sich auf diesem Markt. Dabei kommt es auch zu Vermischungen von religiösen Elementen und einem Durcheinander von religiösen Praktiken. Was man sagen kann ist folgendes. Nicht alles was auf diesem Markt der Religionen angeboten wird ist lebensdienlich. Es gibt Techniken und Lehren, die würde ich als lebensfeindlich und entmündigend bezeichnen.

 

Was heisst das nun für die Kirche. Aufgabe der Kirche müsste es sein, das lebensfeindliche dieser Ansätze zu benennen und zu kritisieren. Kirche müsste dafür das Lebensdienliche der Religion stark machen. Kirche muss ihre guten Dienste anbieten wenn es darum geht, zwischen Scharlatanerie und Ernsthaftigkeit zu unterscheiden. Dazu wird es nötig sein, das eigene Profil zu schärfen und es zu kommunizieren. Vor allem müsste die Kirche erkennbar werden nicht als Institution die einer verlorenen Grosserzählung nachrennt und immer noch Einheitsphantasien hegt. Sondern sie müsste zeigen, dass sie die heutigen postmodernen Lebensumstände versteht und sich darauf einlässt. Theologisch gesprochen: weniger „Moralpredigt“, dafür mehr Lebensbegleitung. Kirche soll den Menschen Lebenshilfen zur Verfügung stellen mit denen sie ihr Leben verstehen und deuten können. Solche Lebenshilfen sind Bilder, Symbole und Geschichten, die in überzeugender Fülle im biblischen Schatz vorhanden sind. Dazu müsste sie auch die Sozialformen des Glaubens überprüfen. Überprüfen und fragen ob sie das leisten, was sie leisten sollten. Zum Beispiel wenn wir die Sozialform des Gottesdienstes bedenken. Der Wiener Religionssoziologe Paul Zulehner schlägt als Schlüsselbereiche für die kirchliche Praxis die beiden Kompetenzen Spiritualität und Solidarität vor. Um glaubwürdig und den Menschen nahe zu sein, müsste auch die reformierte Landeskirche vermehrt und in vielfältiger Form an diesen beiden Themen arbeiten. Zusammenfassend lässt sich sagen: wir brauchen neue Erfahrungsräume des christlichen Lebens. Was immer das heissen mag. Aber das ist ja gerade ein Grund worum wir hier zusammengekommen sind, um nämlich über diese Fragen nachzudenken.

An diesem Punkt müsste jetzt auch deutlich werden, dass die einzelne Ortsgemeinde allein nicht in der Lage ist, Antworten zu finden. Das Modell der Ortsgemeinde kommt hier rasch an seine Grenzen. Es fehlt an ideellen, personellen und finanziellen Ressourcen. Es ist ehrlicher dies zuzugeben als krampfhaft an einem alten Bild festzuhalten. Die Ortsgemeinde hat nicht ausgedient. Aber es braucht ein Modell das gewachsene Tradition mit den heutigen Anforderungen verbindet. Und dieses Modell heisst: vermehrte Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden. Man könnte es auch regionale Zusammenarbeit nennen oder wie im Titel vorgeschlagen übergemeindliche Zusammenarbeit. So komme ich nun zum abschliessenden vierten Punkt:

 

4. Ideen zur Konkretisierung übergemeindlicher Zusammenarbeit

In einer knappen Skizze möchte ich eine Richtung vorschlagen.

a) Bisher war die Kirche vor allem stark in ihrem Angebot in der Ortsgemeinde. Kirche am Ort, das ist ein gutes Modell. Ich nenne es auch die Komm-Struktur der Kirche. Komm-Struktur heisst: die Kirche bietet Anlässe an in ihren Räumen und hofft auf eine rege Beteiligung. Komm-Struktur heisst vor allem auch Gottesdienst an jedem Sonntag. Kirchlicher Unterricht zu dem die Kinder und Jugendlichen kommen müssen. Die Komm-Struktur ist wichtig für die Ortsgemeinde. Sie sichert die religiöse Grundversorgung der Kirchenmitglieder am Ort.

b) Nun ist aber unter den Bedingungen von Pluralismus und Postmoderne noch eine zweite Struktur ins Spiel zu bringen. In der Fachliteratur kennt man dafür schon lange den Begriff der Geh-Struktur der Kirche. Die Geh-Struktur ist in unserem Bezirk noch relativ schwach aufgebaut. Sie gilt es meines Erachtens zu fördern. Und ich plädiere dafür, dass wir dies in übergemeindlicher Zusammenarbeit tun. Ein Hinweis dafür, dass die Geh-Struktur zum Thema wird, haben wir ja auch im neuen religionspädagogischen Gesamtkonzept. Dort ist nämlich die Rede von Kirche am Ort im Unterschied zur Kirche am Weg. Diese eher vernachlässigte Dimension von der Kirche am Weg oder eben die Geh-Struktur gilt es zu entwickeln. Wie aber lässt sich eine solche Geh-Struktur kirchlicher Arbeit entwickeln. Meines Erachtens nur dadurch, dass wir Modelle entwerfen und sie ausprobieren. Mich dünkt, dass wir gerade in der Zwischenzeit bis die neue Kirchenordnung greift gut daran tun würden einige solche Versuche zu starten.

c) Praktisch könnte man folgendermassen vorgehen.

1.      Wir erheben die Ortsaktivitäten der einzelnen Gemeinden.

2.      Wir überlegen, wie wir den Aufwand für diese Veranstaltungen herabsetzen können durch regionale Strukturen und Ressourcenteilung. Stichwort: Synergien nutzen und originelle Vorschläge zulassen.

 

3.      Die frei werdenen Ressourcen bringen wir ein für den Aufbau von Geh-Strukturen der kirchlichen Praxis. Anfangen könnten wir in folgenden Bereichen. Es sind übrigens Bereiche, die wir tendenziell eher vernachlässigt haben.

a) Öffentlichkeitsarbeit: grössere Präsenz in den Bereichen Medien und Politik/Wirtschaft. (wohl überlegte und sorgfältig vorbereitete Auftritte oder mit einem Trendwort gesprochen: Inszenierungen: zeigen für welche Tradition die Kirche einsteht und wie daraus Freiräume entstehen.

b) Neue Treffpunkte und Orte der Begegnung (vgl. Bahnhofkirche im HB als Modell, vgl. rf4: so etwas wie eine Jugendkultur)

Diese Skizze sollte andeuten, in welche Richtung wir in unserer Region weiterdenken sollten und sie sollte dafür werben, diese Aufgabe zusammen mit anderen Gemeinden (übergemeindlich, regional) anzugehen.

 

Meine Vision ist nicht der Rückzug in einen Kreis der letzten Aufrechten, sondern eine öffentliche und offene Kirche innerhalb der pluralistischen Gesellschaft.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Jürg-Markus Meier,  22. Januar  2003

(Es gilt das gesprochene Wort)